Automatisierung · 11 Min. Lesezeit

Make vs n8n vs Zapier: Ehrlicher Vergleich 2026

Wir haben in den letzten zwei Jahren über 40 Automatisierungs-Projekte mit Make.com, n8n und Zapier umgesetzt. Hier ist, was wirklich funktioniert — und wo jedes Tool an seine Grenzen kommt.

JC
Jonas Cogswell·14. Mai 2026·11 Min. Lesezeit

Die Wahl der Automatisierungs-Plattform ist eine der teuersten Tech-Entscheidungen, die du in den nächsten drei Jahren triffst. Nicht wegen des monatlichen Abos — sondern wegen der versteckten Kosten: Migrations-Aufwand, Lock-in, Performance-Limits bei Wachstum, und der Frage, ob deine Daten überhaupt in der EU bleiben dürfen.

Wir bei Cogswell IT arbeiten täglich mit allen drei Plattformen. Make.com für visuelle Workflows mittlerer Komplexität. n8n für DSGVO-kritische Setups mit eigenem Server. Zapier, wenn Geschwindigkeit vor allem anderen kommt. Dieser Artikel ist kein Werbe-Text — er ist die ungefilterte Version dessen, was wir Kunden in Workshops erzählen.

Wenn du auf der Suche nach einer klaren "Tool X gewinnt"-Aussage bist: Die wirst du hier nicht finden. Was du bekommst: eine Vergleichstabelle, fünf konkrete Szenarien aus dem deutschen Mittelstand und ehrliche Aussagen darüber, wann ein Wechsel weh tut.

Vergleichstabelle: Die harten Fakten

Damit du direkt einen Überblick hast — hier die wichtigsten Eckdaten, Stand Mai 2026:

Kriterium Zapier Make.com n8n
Pricing (Einstieg) ab ca. 20 €/Monat ab ca. 9 €/Monat Cloud ab ca. 20 €/Monat, Self-Host gratis
Pricing (10k Ops/Monat) ca. 70–100 €/Monat ca. 20–30 €/Monat ca. 50 €/Monat oder Self-Host
Self-Hosting Nein Nein Ja, voll Open Source
EU-Hosting Nein (US-only) Ja (EU-Region wählbar) Ja, oder eigener Server
App-Anzahl 7.000+ Integrationen 2.000+ Integrationen 500+ Nodes, plus HTTP für alles
Lernkurve Niedrig (1–2 Tage) Mittel (1 Woche) Hoch (2–4 Wochen)
Code möglich JavaScript/Python (Pro) JavaScript-Funktionen JavaScript & Python nativ
DSGVO-Eignung Eingeschränkt Solide bei EU-Hosting Maximal (bei Self-Host)

Die Tabelle ist ein Startpunkt, kein Urteil. Welche Zahl wirklich zählt, hängt davon ab, wie du das Tool einsetzt. Im Folgenden zerlegen wir jedes Tool und sagen, wann es sich lohnt.

Zapier — der Marktführer mit Schwächen

Zapier ist seit Jahren der Platzhirsch und das merkt man. Über 7.000 Integrationen, eine gnadenlos einfache UI und Templates für quasi jeden Standard-Use-Case. Wenn du in einer Stunde von "noch nie was automatisiert" zu "läuft" willst — Zapier ist die kürzeste Strecke.

Wofür Zapier wirklich glänzt

Wo Zapier richtig weh tut

Make.com — die visuelle Mitte

Make (früher Integromat) ist unser Standard für Kunden, die mehr als simple Workflows brauchen, aber keine eigene Server-Infrastruktur betreiben wollen. Die Knotenbasierte UI ist nach kurzer Eingewöhnung schneller als jeder lineare Editor. Und das Pricing ist im Verhältnis zu Zapier fast schon unfair günstig.

Wofür Make wirklich glänzt

Wo Make schwächelt

n8n — die Wahl für Profis und Datenschützer

n8n ist das, was wir empfehlen, wenn jemand "DSGVO" oder "eigener Server" sagt. Open Source, Self-Host-fähig, mit echtem Code-Support. Aber sei ehrlich zu dir selbst: n8n ist kein Tool für jemanden, der nie eine Konsole gesehen hat.

Wofür n8n wirklich glänzt

Wo n8n richtig weh tut

Wann welches Tool? Fünf Szenarien aus dem Mittelstand

Hier wird's konkret. Diese fünf Situationen sehen wir bei Cogswell IT regelmäßig — und so entscheiden wir.

Szenario 1: Solo-Selbstständige, 5 Workflows, eilig

Empfehlung: Zapier. Wer schnell starten will und keine 100 Stunden in Lernkurve investieren kann, fährt mit Zapier am besten. Bei kleinem Volumen ist das Pricing okay, und die Templates sparen Tage.

Szenario 2: Mittelstand mit 20–50 Workflows, EU-DSGVO-Pflicht

Empfehlung: Make.com (EU-Region). Das ist der Sweet Spot: faires Pricing, EU-Hosting, visuelle UI, AVV verfügbar. Wir setzen das bei ca. 60 % unserer Kunden ein.

Szenario 3: Steuerkanzlei, Arztpraxis, Anwalt — Daten dürfen die Firma nicht verlassen

Empfehlung: n8n Self-Hosted. Klare Sache. Daten bleiben on-premise, keine US-Cloud-Provider, kein AVV-Drama. Aufwand am Anfang höher, aber rechtlich entspannt.

Szenario 4: Großes Volumen, 100.000+ Operationen pro Monat

Empfehlung: n8n Self-Hosted. Bei diesem Volumen wird Zapier zur monatlichen Hypothek, Make wird zäh. Self-Host n8n auf einem 20-€-Server bedient sechsstellige Volumen problemlos.

Szenario 5: Agentur, 30 Kunden, jeder mit eigenem Workflow

Empfehlung: Make.com. Multi-Workspace-Management, gutes User-Handling, sauberes Pricing pro Kunde. n8n ist hier auch denkbar, aber das Kunden-Onboarding ist mit Make schneller.

Migrationskosten — wie schwer ist der Wechsel?

Ehrliche Antwort: schwerer als du denkst. Wir haben mehrfach Kunden migriert — meist von Zapier zu Make oder n8n. Die Logik ist übertragbar, aber jedes Tool hat seine Eigenheiten.

Aufwand pro Workflow: Für einen mittelkomplexen Workflow (10–15 Schritte) plane 4–8 Stunden ein. Das umfasst Nachbau, Testen, Edge-Cases, neue Authentifizierungen aufsetzen und Monitoring konfigurieren.

Hidden Costs: Datenformate sind nicht 1:1 übertragbar. Zapier behandelt Webhooks anders als Make. n8n hat eine eigene Expression-Syntax. Wer eine 1:1-Migration in einem Wochenende plant, wird enttäuscht.

Unser Vorschlag: Migration in Wellen. Zuerst die kritischsten 20 % der Workflows, parallel laufen lassen, vergleichen, dann den Rest. Das verteilt das Risiko und gibt dem Team Zeit, das neue Tool zu lernen.

Worauf es uns wirklich ankommt

Wenn wir Kunden beraten, kommt es selten auf einzelne Features an. Drei Fragen entscheiden meistens:

  1. Wo dürfen deine Daten liegen? Das ist die unbeugsame Anforderung. Wenn EU-Hosting oder Self-Host Pflicht ist, fällt Zapier raus.
  2. Wer betreut das Tool täglich? Hat dein Team einen Tech-affinen Menschen, der einen Linux-Server warten kann? Wenn nein, n8n wird zur Belastung.
  3. Wie hoch ist dein Volumen in 12 Monaten? Pricing-Schock kommt immer dann, wenn Automatisierungen plötzlich funktionieren und alle mehr wollen. Plane mit dem Dreifachen deines heutigen Bedarfs.

Keines der drei Tools ist objektiv das beste. Sie lösen unterschiedliche Probleme. Wer dir was anderes erzählt, will dir was verkaufen.

FAQ

Kann ich Make.com DSGVO-konform einsetzen?

Ja, wenn du die EU-Region wählst und einen AVV mit Make abschließt. Make bietet das offiziell an. Trotzdem: Wenn deine Branche besonders sensible Daten verarbeitet (Gesundheit, Recht), ist n8n Self-Hosted die sicherere Wahl, weil die Daten dann nie einen externen Server sehen.

Lohnt sich n8n Cloud oder besser direkt Self-Host?

Für Einsteiger lohnt sich n8n Cloud, um die Plattform kennenzulernen, ohne Server-Setup. Wer ernsthaft skalieren will, wechselt nach 3–6 Monaten auf Self-Host. Ein 20-€-Server bei Hetzner oder IONOS reicht für die meisten Mittelständler völlig aus.

Wir haben 50 Zapier-Workflows. Wie planen wir eine Migration?

Erst Inventur: Welche Workflows sind kritisch, welche tot? Erfahrungsgemäß sind 30 % der Workflows in alten Setups inaktiv oder redundant. Dann priorisieren und in Wellen migrieren, nicht alles auf einmal. Plane 3–6 Monate für 50 Workflows ein, je nach Komplexität.

Unsicher, welches Tool zu deinem Setup passt?

30 Min. Erstgespräch. Wir empfehlen ehrlich, auch wenn's gegen unseren Tech-Stack geht.

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