Gastronomie · 8 Min. Lesezeit

Eigene Lieferfahrer statt Plattform: Wann sich das rechnet

Wer über eine Lieferplattform verkauft, gibt je nach Modell grob 13 bis 30 Prozent vom Bestellwert ab. Wer selbst ausliefert, zahlt stattdessen Fahrer, Fahrzeuge und Organisation. Welche Seite günstiger ist, entscheidet am Ende eine einzige Kennzahl. Hier ist die Rechnung, mit Zahlen zum Selbsteinsetzen.

JC Joshua Cogswell · 20. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Was die Plattform kostet

Offizielle Preislisten veröffentlichen die großen Plattformen nicht. Branchenübersichten für 2026 nennen aber recht einheitliche Größenordnungen:

ModellProvision, grobWer liefert
Marktplatz mit eigener Lieferung13 bis 15 %deine Fahrer
Komplettservice25 bis 31 %Fahrer der Plattform

Dazu kommen je nach Vertrag Aktivierungs- oder Monatsgebühren, Kosten für Werbeplätze und die Gebühren der Zahlungsabwicklung. Verbindlich sind die Konditionen in deinem Partnervertrag. Diese Zahl gehört an den Anfang jeder Rechnung, nicht eine geschätzte.

Der Teil, der nicht auf der Rechnung steht

Bestellt ein Gast über die Plattform, gehört der Kontakt der Plattform. Du kannst ihm nach dem Essen keine eigene Aktion schicken, ihn nicht an deine Bestellseite erinnern und weißt wenig darüber, was er sonst bestellt. Das ist kein Grund, die Plattform zu verlassen. Aber es ist ein Grund, sie nicht als einzigen Kanal zu haben.

Was eigene Fahrer kosten

Der größte Posten ist die Arbeitszeit. Seit dem 1. Januar 2026 liegt der Mindestlohn bei 13,90 Euro pro Stunde. Mit den Abgaben des Arbeitgebers landest du je nach Beschäftigungsform grob bei 17 Euro pro Fahrerstunde. Minijobs sind bis 603 Euro im Monat möglich und für die Spitzen am Abend und am Wochenende oft die passende Form.

Dazu kommen:

Die eine Kennzahl: Lieferungen pro Fahrerstunde

Die Plattform berechnet einen Prozentsatz pro Bestellung. Deine Fahrer kosten pro Stunde. Ob du günstiger bist, hängt also davon ab, wie viele Lieferungen ein Fahrer in einer Stunde schafft. Diese Zahl entscheidet die Rechnung, alles andere ist Feinarbeit.

Beispiel: 600 Lieferungen im Monat, 28 Euro Bestellwert

Umsatz über Lieferung: 16.800 Euro. Beim Komplettservice mit 30 Prozent gehen davon 5.040 Euro an die Plattform.

Eigene Fahrer, 2,5 Lieferungen pro Stunde

600 Lieferungen brauchen 240 Fahrerstunden. Bei 17 Euro sind das 4.080 Euro. Mit zwei E-Bikes, Versicherung und Boxen, grob 350 Euro, landest du bei rund 4.430 Euro. Günstiger als die Plattform, und die Liefergebühr der Gäste bleibt bei dir.

Eigene Fahrer, 1,5 Lieferungen pro Stunde

Jetzt sind es 400 Fahrerstunden, also 6.800 Euro plus Fahrzeuge, rund 7.150 Euro. Deutlich teurer als die Plattform. Gleiche Bestellungen, gleiche Fahrer, nur schlechter organisiert.

Der Unterschied zwischen beiden Szenarien ist kein Preis, sondern Organisation: Touren bündeln, den Fahrer erst losschicken, wenn das Essen fertig ist, und Leerlauf in den ruhigen Stunden vermeiden. Setz für deinen Betrieb drei Zahlen ein: Lieferungen pro Monat, Bestellwert, Lieferungen pro Fahrerstunde. Dann siehst du, auf welcher Seite du stehst.

Was organisatorisch stehen muss

  1. Eine Zentrale, die verteilt. Wer liefert welche Bestellung, und welche zwei Bestellungen fahren zusammen? Das entscheidet über die Kennzahl oben.
  2. Abholen, wenn das Essen fertig ist. Ein Fahrer, der zehn Minuten am Pass wartet, ist Leerlauf. Ein Gericht, das zehn Minuten auf den Fahrer wartet, wird kalt.
  3. Klare Schritte für den Fahrer. Abholen, fahren, zustellen, kassieren. Mit Navigation, Hinweisen zur Adresse und einem Rückgeld-Rechner für die Barzahlung an der Tür.
  4. Ein Nachweis bei der Übergabe. Foto, Unterschrift oder Code. Er klärt die Frage „Kam das wirklich an?" ohne Diskussion.
  5. Status für den Gast. Wer sieht, dass sein Essen unterwegs ist, ruft nicht an und fragt.
  6. Datenschutz beim Fahrer. Adresse und Telefonnummer des Gastes braucht der Fahrer erst, wenn er die Lieferung angenommen hat, und den Standort des Fahrers die Zentrale nur während der Schicht.

Der Mittelweg

Die Entscheidung muss nicht „Plattform oder selbst" heißen. Viele Betriebe bleiben auf der Plattform, liefern aber mit eigenen Fahrern aus, zum deutlich niedrigeren Satz. Parallel lenken sie Stammgäste auf die eigene Bestellseite. Die Plattform wird so zum Kanal für Neukunden, nicht zum einzigen Weg ins Restaurant.

Häufige Fragen

Muss ich die Plattform ganz verlassen?

Nein. Viele Betriebe bleiben auf der Plattform, liefern aber selbst aus. Die Provision ist dann deutlich niedriger, und die Plattform bleibt als Kanal für Neukunden erhalten.

Wie viele Lieferungen schafft ein Fahrer pro Stunde?

Das hängt vom Liefergebiet, vom Fahrzeug und davon ab, ob Touren gebündelt werden. Pauschal lässt sich das nicht sagen, aber diese Zahl entscheidet die Rechnung. Wer sie ein paar Wochen misst, statt sie zu schätzen, trifft die bessere Entscheidung.

Kann ich Fahrer als freie Mitarbeiter beschäftigen?

Wer Fahrer in feste Schichten einplant, ihnen Touren zuteilt und Fahrzeuge stellt, beschäftigt sie in aller Regel als Arbeitnehmer. Die Konstruktion als freie Mitarbeiter passt dazu meist nicht und ist ein bekanntes Risiko für Nachzahlungen.

Lohnt sich das auch für ein kleines Restaurant?

Bei wenigen Lieferungen am Abend ist ein eigener Fahrer schwer auszulasten. Dann ist der Marktplatz mit eigener Lieferung durch jemanden aus dem Team oft der bessere Einstieg. Die Rechnung oben zeigt, ab wann ein fester Fahrer sich trägt.

Kurz zusammengefasst

Rechnen wir es für dich durch.

Mit deinen Zahlen statt mit Beispielen: Bestellungen, Bestellwert, Liefergebiet. Danach weißt du, ob eigene Fahrer sich lohnen. 30 Minuten, kostenlos.

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